Schöpfung, Lückentheorie und Wissenschaft
Folgende Übersicht fasst das schon Gesagte zusammen:
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Ausgangstelle
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Parallelstelle 1
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Parallelstelle 2
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Mögliche Parallele in
Geologie/Biologie;
Kommentar
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1.
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„Zu
Anfang schuf Elohim die Himmel und die Erde“
(1. Mose 1:1)
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Ab dem Niederwurf beginnen die Werke Gottes
(Hebräer 4:3)
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Jubel der Söhne Gottes
(Hiob 38:7)
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Urknalltheorie, Entstehen
des Weltalls mit Sonne, Monden und allen Planeten
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2.
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„Und die Erde wurde ein tohu wa
bohu.“
(1. Mose 1:2)
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„Nicht als tohu hat er sie
geschaffen; um bewohnt zu werden, hat er sie gebildet.“
(Jes 45:18)
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Die Erde verwandelt sich
wie Siegelton
(Hiob 38:14)
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Abkühlen der Erdoberfläche,
Erde noch ohne Leben; Uratmoshäre entweicht;
Leben aber schon von Gott
geplant
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3.
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„Finsternis war
über der Tiefe“ (1. Mose
1:2).
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"Ich […] erschaffe das
Finstere, das Böse"
(Jes 45:7)
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"Ich erschuf auch den
Verderber, um zu verheeren" (Jes. 54:16).
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Finsternis (Sünde, Satan)
war erst nach tohu
wa bohu vorhanden
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4.
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„Und der Geist Gottes vibrierte
über dem Wasser“
(1. Mose 1:2).
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Himmel von alters her [vor
langer Zeit] und Erde (gê), die aus Wasser und durch
Wasser bestand.
(2. Petrus 3:5)
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„Ursuppe“
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5.
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Schöpfung in sechs Tagen
1. Mose
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Die damalige Welt entsteht.
(2. Petrus 2:5, 3:6)
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Schrittweises
Auftreten von Pflanzen- und Tierarten
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6.
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Sintflut (1.Mose 7,6).
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Die damalige Welt (kosmos)
kam von Wasser überflutet um.
(2. Petrus 3:6)
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Die ehemalige Welt (kosmos)
wurde bis auf Noah nicht verschont, Flut.
(2. Petrus 2:5)
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(Lokale) Überflutung
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Im
Unterschied zu dieser Darstellung sehen Vertreter der Lückentheorie (gap-theory), eine
zeitliche Lücke zwischen 1. Mose
1:1 und 1.Mose 1:2 als denknotwendig an. "Tohu wa bohu" wird dabei als Gericht in Form einer Flut über eine Vorschöpfung betrachtet, das durch einen in der Bibel nicht beschriebenen Sündenfall ebenfalls nicht erwähnter Bewohner nötig gewesen sei. Kann das sein?
Geschichte der Lückentheorie
Thomas
Chalmers (1780-1847), ein schottischer Theologe und erster Moderator in der
Free Church of Scotland,
ist wohl der erste Vertreter der Lückentheorie. Seine Vorstellungen wurden 1814
an der Edingburgh
University aufgezeichnet. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese Interpretation
völlig unbekannt. Wie kam es dazu? 1795 hat James Hutton (1726-1797) die wissenschaftliche
Sicht des Uniformalismus
formuliert, die besagt, dass die Gegenwart der Schlüssel für die Vergangenheit
ist (z.B. bezüglich Klima und Gesteinsbildung). Charles Lyell (1797-1875) nahm diesen Gedanken
auf und entwickelte die These, dass die Erde Millionen von Jahren alt sein
müsse und sich langsam und stetig bis zur heutigen Form entwickelt habe.
Kurz
nach der Publikation entsprechender Werke fühlten sich Christen unter Druck
gesetzt, da sie die Bibel bislang so interpretierten, dass die Erde nur wenige
tausend Jahre alt sei. Chalmers, wie auch andere, suchten daher nach Wegen, um
die Bibel wieder nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten akzeptabel werden zu lassen. So entwickelte sich die Lückentheorie. Denn in der Lücke könnte eine beliebige Zeitspanne
gedacht werden und Kohleentstehung, geologische Verwerfungen, Dinosauerier und sogar die Entstehung des Bösen bequem zugeordnet werden. Zusätzlichen Aufschwung bekam die Lückentheorie durch C.I. Scofield, der in der
kommentierten Scofield
Bibel 1909 diese These stützte.
In
dem gleichen Zeitraum wurde auch „Dispensational Truth“ von Clarence Larkin veröffentlicht, der eine chaotische
Erde zwischen 1. Mose
1:1 und 1.Mose 1:2 gelehrt hat. Diese Gedanken wurden auch von J.N. Darby (1800-1886) und daraufhin auch von A.E. Knoch (1874-1965) übernommen.
Seitdem
hat sich die Lückentheorie weit verbreitet, u.a. durch Billy Graham und John Hagee. Sicherlich wurde diese Interpretation mit lauteren Motiven entwickelt, dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob sie mit der Bibel wirklich vereinbar ist.
Welche Schriftstellen sollten die Lückentheorie
stützen?
Die
Lückentheorie stützt sich im Wesentlichen auf folgende Bibelstellen:
- Jesaja 45:18, (s.o.)
wird so interpretiert, dass Gott die Erde nicht als tohu geschaffen haben kann, sondern in
anderer Form (und zwar in einem Nu in einen herrlichen Zustand). Dagegen sagen andere, dass die Aussage hier nicht den Ursprung
betrifft, sondern das Ziel Gottes mit dieser Schöpfung: Sie sollte also
nicht in diesem seelenlosen Ausgangszustand bleiben, sondern bewohnbar
werden. Streitpunkt war in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung von Tohu wa bohu, das von
Vertretern der Lückentheorie ausschließlich als Chaos, also als Ergebnis einer Katastrophe
interpretiert wird (denn ein Chaos wollte Gott nach Jes. 45:18 nicht schaffen). Der Vergleich aller Vorkommen legt diese Wortbedeutung aber nicht nahe, sondern vielmehr die Deutung im Sinn von Leere vor allem in geistlich/geistiger aber auch materieller Form. Das Resultat eine Gerichtes oder eine Flut wäre aber sicher nicht Leere.
Die Stelle betont also keineswegs den Anfangszustand, sondern das Ziel
der Schöpfung („zum Bewohnen“). Tohu ist die wertfreie und völlig korrekte
Bezeichnung für den Zwischenzustand.
- Jeremia 4:23-24 Diese Verse werden herangezogen, um die negative Bedeutung von Tohu wa bohu
zu
belegen. Der Kontext spricht aber nicht von der Schöpfung.
- 2. Petrus 3:5-6 (s.o.):
Vertreter der Lückentheorie meinen, dass 2. Petrus 3:5 und 6 das Gleiche beschreiben (im Gegensatz zur Deutung in der Tabelle oben) und nicht von der Flut Noahs sprechen, sondern von „Luzifers
Flut“, die die gedachte Welt der Lücke untergehen lies. Dagegen ist zu
sagen, dass ausdrücklich zwischen der Erde
aus und durch Wasser in Vers 5 und der Welt
in Vers 6 unterschieden wird. Welt
ist die Übersetzung des griechischen kosmos,
was Geordnetes bedeutet, also als bewohnte Welt Noahs gesehen werden kann.
Außerdem ist logisch nicht erklärbar, wie eine Erde aus Wasser durch
Wasser überflutet umkommen kann. Zudem wird die angebliche „Flut Luzifers“
in der Bibel nicht beschrieben.
- Hiob 38:7 (Jubel
der Söhne Gottes) wird so interpretiert, dass ein Jubel nur denkbar sei,
wenn Gott eine schon zu herrlich anzusehende Welt hätte präsentieren können (gleichwohl das
dort nicht erwähnt ist). Die Planung und der Beginn einer großartigen
Schöpfung wäre doch aber auch mehr als genug Anlass für Freudenbekundungen gewesen!
- 1.Mose 1:1 Mit der Übersetzungsmöglichkeit „wurde“ in „Die Erde wurde Tohu wa bohu
“ wird die
Aussage verknüpft, dass sie vorher nicht ohne Leben und Form war, sondern
prächtig und evt. sogar mit Bewohnern. Richtig ist zwar, dass „wurde“
für „hayah“
eine plausible Übersetzung ist, und dass daher eine Entwicklung zu sehen
ist. Die Schlussfolgerung, dass die Erde vorher aber nicht wüst und leer gewesen sein
muss, ist recht fraglich. Denkbar ist genauso eine Entwicklung nach einem
Art „Urknall“ hin zu einem Planeten, womit das "wurde" diese Entwicklung zu einer Erde betonen würde.
Folgerungen, die mit der Lückentheorie
verbunden sind
- Tohu wa bohu
soll das
Resultat eines Gerichts sein. Katabole (Niederwurf) des NT wird damit
gleichgesetzt. Gegen beide Interpretationen spricht, dass Tohu wa bohu einfach ein sachlicher Ausdruck für Leere ist, die sowohl als Folge eines Gerichts denkbar ist, wie auch als Ausgangszustand für etwas Neues. Niederwurf (katabole) im NT wird nie mit einem Gericht in Verbindung gebracht, sondern ist ganz sachlich eine nach unten gerichtete Wurfbewegung. Im Zusammenhang mit Schöpfung könnte damit die Verursachung des "Urknalls" gemeint sein, also der Niederwurf von Materie. Es ist außerdem fraglich, wie diese Wurfbewegung mit einer gedachten Überschwemmung zu harmonisieren ist.
- Laut der
Lückentheorie wurde die Erde sofort prächtig erschaffen, oft gar mit Bewohnern. Über diese
Bewohner sagt die Bibel freilich nichts. An Menschen wird meist nicht
gedacht, sondern eher an Geistwesen. Fraglich ist dann aber, wie
nichtkörperliche Wesen überhaupt durch Wasser umkommen können.
- Die Lückentheorie
führt weiter aus, dass es einen Sündenfall gegeben
haben muss, da es sonst nicht zu dem gedachten Gericht gekommen sein kann. Dagegen spricht, dass der erste in der Bibel beschriebene
Sündenfall durch Adam und Eva geschehen ist. Unklar ist auch die Ursache.
"Finsternis", womit möglicherweise Satan symbolisiert wird, wurde erst nach dem Tohu wa bohu genannt (s.o.). Von einer vorherigen Schöpfung Satans spricht die Bibel nicht. Wie kann es aber
einen Sündenfall geben, ohne dass es Versuchung gibt? Wie kann Sünde in
diese Welt eindringen? Tod würde vor Adams Sündenfall
existent gewesen sein – dies widerspricht aber Römer 5:12 und 1. Kor.
15:21.
- Oft wird die
erwiesen unbiblische Geschichte
von Satan als gefallener Engel in diese
Lücke gedacht und als Ursache für die angenommene Katastrophe gesehen.
- Unsere Erde wäre der
zweite Versuch, die Schöpfung in sechs Tagen in 1. Mose lediglich eine
Wiederherstellung eines gescheiterten Versuchs. Daher wird die
Lückentheorie auch Restitutionslehre genannt. Ist es aber nicht
unwahrscheinlich, dass eine ursprüngliche Schöpfung, die als
Hauptgrundlage aller Geschöpfe und als eine Welt wunderbarster Schönheit
ins Dasein gerufen wurde, mit einem einzigen, und dazu sehr kurzen Satz
behandelt wird, wohingegen dann so viele (32) einem Werk gewidmet sein
würden, das nur eine Wiederherstellung dieser ursprünglichen Schöpfung,
also nicht die eigentliche Hauptsache gewesen wäre?
- Das Schweigen der
Bibel. Es bleibt außerdem dabei: Eine
Wiederherstellung nach einem angeblichen Gericht ist an keiner einzigen
Stelle in der Bibel zweifelsfrei ausgesagt.
- Die gesamte
Heilsgeschichte ist die Beschreibung einer langsamen Entwicklung der
Menschheit zu Gott hin, mittels schrittweisen Offenbarungen durch die
Bibel und langen Lernwegen für jeden Menschen. Diesem Prinzip Gottes der
Entwicklung widerspricht der Idee, dass schon am Anfang eine Vorschöpfung ob ihrer Schönheit Jubel ausgelöst hat.
- Der unmittelbare
Gesamteindruck des biblischen Berichts widerspricht der Lückentheorie. Vom Auftreten einer dämonischen Gegenmacht und
der damit verbundenen Folgen ist im gesamten Schöpfungsbericht keine Rede.
Nichts deutet darauf hin. Vielmehr macht er auf jeden unbefangenen Leser
den Eindruck, dass er ganz einfach den geradlinigen Entwicklungsgang des
Schöpfungswerkes und nichts anders berichten wolle.
- Warum wird hier ohne
Not eine Gegenposition zu gesicherten Erkenntnissen aus der Wissenschaft
aufgebaut, in dem Behauptungen aufgestellt werden, auf die bei unbeeinflusstem Lesen der ersten Verse unserer Bibel niemand kommen würde? Die Schöpfungstage dürfen mit biblischer Begründung als lange
Zeitperioden gesehen werden. Alles ist einem Entwicklungsvorgang
unterworfen, warum sollte die Erde als fertige Kugel auf einmal da gewesen
sein, mitsamt unbekannten Bewohnern? Die Bibel bestätigt diese Sicht nicht.